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"Wenn wir nichts tun, wird die Schule sterben"

10.04.2019

Zur derzeitigen kontroversen Diskussion, ob die Grundschule Binz mit der Regionalen Schule zusammengelegt werden sollen, interviewten gestern Max und Sophie Kaulbars den Binzer Bürgermeister, Karsten Schneider.

 

Max: Herr Schneider, im Moment herrscht große Unruhe in Binz. Wieso sollen die Grundschule Binz und die Regionale Schule zusammengelegt werden?

 

Schneider: Ich habe vor drei Wochen durch Herrn Steinbeiß erfahren,  dass die Anzahl der Schüler, die man für eine 5. Klasse braucht, nicht erreicht wurde. Das Schulgesetz gibt aber vor, dass es mindestens 36 Schüler sein müssen, wir haben jedoch derzeit nur 25 Anmeldungen. Daher wird die sogenannte Schuleingangszahl nicht erreicht, die man benötigt, um eine Schule erhalten zu können. Eine 5. Klasse wird es dennoch zum kommenden Schuljahr geben. Definitiv.

 

Sophie: Wie ist denn ihre Meinung dazu, dass die Schulen zusammengelegt werden sollen?

 

Schneider: Es wäre ein erster Baustein und es ist dringend notwendig, die Schulen zusammenzulegen. Wenn wir nicht sofort handeln und in absehbarer Zeit die letzten Klassen an der Regionalen Schule Binz unterrichtet werden, würde die Schule geschlossen werden müssen. Auch das besagt das Landesschulgesetz. Aber wenn wir jetzt handeln, könnten wir die Existenz unserer Schule sichern. Wenn wir nichts tun, wird die Schule sterben.

 

Max: Was wären die Vorteile bei einer Zusammenlegung der Schulen?

 

Schneider: Es wäre finanziell und zeitlich einfacher für die Eltern, wenn die Kinder an eine ortsansässige weiterführende – unsere Binzer Schule – gehen würden. Durch gemeinsame Projekte beider Schulen könnte der Übergang an die weiterführende Schule vereinfacht werden. Dazu kommt, dass die Lehrer jeweils bei der anderen Schule als Vertretung agieren können. Und dann muss man auch an unsere Schülerinnen und Schüler denken: Will man es ihnen wirklich zumuten, jeden Tag mindestens 45 Minuten pro Tour nach Bergen, Göhren oder gar Sassnitz zu fahren - und da sind die sommerlichen Verspätungen in den jetzt schon völlig überfüllten Bussen noch gar nicht eingerechnet, weil die Eltern sich die monatlichen 150 € für die Freie Schule in Sellin nicht leisten können oder wollen?

 

Man muss sich doch auch nur mal umsehen und über den Tellerrand blicken. Es gibt so viele Beispiele von Zusammenlegungen in unserem Bundesland, die durchaus positiv verlaufen sind und wo ältere und jüngere Schülerinnen und Schüler gemeinsam unter einem Dach lernen. Da gibt es Beispiele, wo so eine starke Gemeinschaft entstanden ist, dass die Schüler fast wie Geschwister zusammengewachsen sind. Und man muss auch daran denken, dass der Übergang von der Grund- in die weiterführende Schule für viele Kinder hart ist, weil sie zum ersten Mal mit älteren Jugendlichen in Kontakt kommen - auch das wird durch ein gemeinsames Lernen aufgefangen, wenn nicht sogar aufgehoben. Sie sind dann von der ersten Klasse daran gewöhnt und erleben keinen "Kulturschock".

 

Sophie: Herr Bürgermeister, Sie sagten „Wenn wir nichts machen, wird die Schule sterben.“ Gehen wir doch davon aus, dass beide Schulen schrittweise einen Zusammenschluss wagen, wie stellen Sie sich dann den Schulstandort Binz der Zukunft vor?

 

Schneider: Da sind wir wieder bei den Bausteinen. Ich glaube, dass es notwendig ist, in späteren Jahren einen gemeinsamen Schulneubau zu schaffen. Aber darüber entscheidet ja nicht der Bürgermeister, sondern eine Gemeindevertretung und um die Notwendigkeit weiß sie auch. Wir müssen zuerst aber darüber reden, wie wir unsere Schule wieder attraktiv machen. Einen Schulneubau nenne ich immer „Schule 2025“ oder „Schule 3.0“. Dabei rede ich von einer Schule, die dem Jahre 2025 gerecht wird. Viele skandinavische Länder machen uns das schon heute vor: Dort gibt es keine Schulbücher und kein Klassenbuch mehr, mit denen man arbeitet.

 

Max: Sie sprechen von der Digitalisierung…

 

Schneider: Richtig. Diese Schulen sind „smart“. So wie wir heute das Smartphone haben und „Smart Cities“ entwickeln wollen, so müssen wir auch eine „Smart School“ entwickeln. So eine neue Schule nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen könnte aus meiner Sicht auch junge Lehrer hier herlocken, was sehr wichtig ist: Sehr gut ausgebildete und motivierte Lehrer, die das umsetzen können, was sie im Studium gelernt haben, was wiederum Eltern und vor allem Schüler anzieht.

 

Max: Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch.

 

Mitarbeit: M. und S. Kaulbars, L. Dräger, M. Müller

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: "Wenn wir nichts tun, wird die Schule sterben"